Alice Hoffmans fesselnde Geschichte über den Künstler Camille Pissarro und seine Mutter

Der neue Roman von Alice Hoffman, Die Ehe der Gegensätze, ist eine heftige, traurige Geschichte über den Konflikt zwischen persönlichem Verlangen und gesellschaftlichen Zwängen, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf der Insel St. Thomas über drei Generationen hinweg widerhallt. Wie ihre neuesten Romane basiert diese Geschichte auf historischen Ereignissen und eifrigen Recherchen, aber Hoffman geht noch einen Schritt weiter Die Taubenhüter (2011) und Das Museum der außergewöhnlichen Dinge (2014), indem sie reale Figuren als ihre Protagonisten nimmt. Den bekannten Fakten über den Künstler Camille Pissarro und seine Eltern nahe bleibend, stellt sie sich deren Innenleben eindringlich vor und umgibt sie mit einer vollmundigen Nebenfigur.

Pissarro tritt erst zur Hälfte ein, als seine langwierige Geburt seine Mutter fast tötet. Aber wir wissen zu diesem Zeitpunkt, dass eine so beeindruckende Frau wie Rachel Pomié Petit Pizzarro unmöglich einem banalen Tod bei der Geburt erliegen kann. Wir treffen sie 1807 im Alter von 12 Jahren, und der allererste Satz ihrer Erzählung sagt uns: Ich habe selten getan, was mir gesagt wurde. Als einziges Kind einer lieblosen Ehe zwischen französischsprachigen Flüchtlingen wehrt sich Rachel gegen die Abstammung der jüdischen Gemeinde von St. Thomas. Sie verachtet die Anstandsvorstellungen ihrer missbilligenden Mutter und freundet sich mit der Tochter des afrikanischen Kochs ihrer Familie an. Sie saugt Volkskultur auf, einschließlich ihrer Lieblingsgeschichte über ein mysteriöses Schildkrötenmädchen, das in der Welt der Menschen so unruhig ist wie Rachel in St. Thomas. Sie träumt davon, nach Paris zu fliehen, dem Ort, an dem alles Schöne begann und endete.



Hoffmans markentypische Beschwörung von Folklore und Märchen dient hier als plausibler Handlungstreiber: Rachel erwartet, dass in Frankreich die fantastischen Geschichten, die sie gesammelt hat, ihr Pass in die glitzernde Welt sein werden, die sie in Pariser Modemagazinen sieht. Aber die zuverlässig lyrischen Beschreibungen der natürlichen Welt des Autors, unter deren Oberfläche immer Magie schimmert, scheinen manchmal Routine zu sein; sie sind weniger interessant als das wunderbar komplizierte Netz von Geheimnissen, Lügen und Erkenntnissen, die Rachel verwickeln, aber letztendlich ihren Sohn befreien.

Als der elfjährige Jacobo Camille Pizzarro 1841 die Erzählung übernimmt, hat Rachel ihren ersten Ehemann überlebt und die jüdische Gemeinde durch die Heirat mit seinem viel jüngeren Neffen schockiert. Es dauert fast ein Jahrzehnt, bis die Gemeinde ihre Ehe und ihre vier Kinder anerkennt, und Rachel weigert sich, ihren zweiten Ehemann in die Synagoge zu begleiten. Ich habe Gottes Vergebung nicht erwartet, sagt sie, denn ich habe getan, was ich wollte. Doch sie erwartet von Jacobo, einem verträumten Jungen, der lebt, um zu malen, sich einzuschnallen und im Familienladen zu arbeiten.

Ihre streitenden Stimmen wechseln sich in der zweiten Hälfte des Romans ab, wenn Hoffmans treibendes Drama einer Frau, die sich den Konventionen widersetzt, sich vertieft und eine reumütige Einschätzung der Art und Weise einschließt, in der wir unseren Gegnern ähneln. Rachel empfindet widerwillige Sympathien für ihre zensierte Mutter, als Jacobo, der sich jetzt Camille nennt, von der Schule in Paris noch engagierter für seine Kunst zurückkehrt und sich weniger für Ladengeschäfte interessiert. Sie zuckt zusammen, als ihr wütender Sohn mit Worten gegen sie schimpft, die sie durchaus für ihre eigene Mutter hätte gebrauchen können: Sie will alles nur so. Jeder muss sich an die Regeln halten, auch ich.

„Die Ehe der Gegensätze“ von Alice Hoffman (Simon & Schuster)

Der andere Handlungsstrang entspringt einer tragischen Beziehung zwischen Aaron, einem Waisenkind, das Rachels Eltern adoptieren, und Jestine, der Tochter ihrer Köchin. Als Aaron volljährig wird, fehlt ihm der Mut, eine Frau afrikanischer Abstammung zu heiraten, und wird nach Paris geschickt, um einen Skandal zu vermeiden. Eine zärtliche Begegnung viele Jahre später kontrapunktiert Rachels immer noch heikle Beziehungen zu ihrem Sohn, und eine letzte Enthüllung verleiht Hoffmans verschwenderisch gefüllter Handlung eine bravouröse, klimatische Wendung – erleichtert durch eine tote Frau, nicht weniger.

Diese Enthüllung hängt von einer sehr heiklen Chronologie ab, einer von mehreren Wahrscheinlichkeiten, die aufmerksame Leser irritieren können. Aber Hoffmans Geschichtenerzählen bleibt in The Marriage of Opposites so überzeugend wie eh und je.

Wendy Smith ist die Autorin von Real Life Drama: The Group Theatre and America, 1931-1940 .

Die Ehe der Gegensätze

Von Alice Hoffmann

Simon & Schuster. 369 S. 27,99 $

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